Ignaz Franz Castelli (1781 bis 1862)



Vom Auge

Es sind zwei kleine Fensterlein
In einem großen Haus,
Da schaut die ganze Welt hinein,
Die ganze Welt heraus.

Ein Maler sitzet immer dort,
Kennt seine Kunst genau,
Malt alle Dinge fort und fort
Weiß, schwarz, rot, grün und blau.

Dies malt er eckig, jenes rund,
Lang, kurz, wie's ihm beliebt
Wer nennet all' die Farben und
Die Formen die er gibt?

Ein Zaub'rer ist's, ich sag' es kühn,
Denn alles was der Schoß
Der Erde faßt, das malt er hin
Auf's Fleckchen linsengroß.

Auch was der Hausherr denkt und fleht,
Malt er an's Fenster an,
Daß Jeder der vorübergeht,
Es deutlich sehen kann.

Und freut der Herr vom Hause sich,
Und nimmt der Schmerz ihn ein,
So zeigen öfter Perlen sich
An beiden Fensterlein.

Ist schönes Wetter, gute Zeit,
Da sind sie hell und lieb,
Doch wenn es stürmet, fröstelt, schneit,
Da werden sie gar trüb.

Und geht der Hausherr einst zur Ruh,
Nicht braucht er dann ein Licht,
Da schlägt der Tod die Balken zu
Und ach! das Fenster - bricht.