| |
|
Gedichte von Karl Egon Ebert ( 1801 bis 1882
)
| |
Ludwig Uhland
Ein Mann mit einer schlichten Weise,
Mit einem still bescheidnen Sinn,
Mit klarem Aug' und heller Stirne,
So tritt er freundlich vor dich hin;
Er heißt dich herzlich gern willkommen,
Schmerzt dich auch nicht der Druck der Hand,
Doch wenn der Abschied ward gekommen,
Hat Manchem schon sein Kuß gebrannt.
Du suchst sogleich in seinen Zügen
Des Geistes aufgeregte Kraft,
Den innern Sturm, das ew'ge Sehnen
Die Flut der Dichterleidenschaft;
Du suchst der Träume Glut und Fülle,
Die rastlos ziehn von Ort zu Ort,
Und dir begegnet - ernste Stille
In Blick und Haltung, Mien' und Wort.
Doch wenn du jetzt vom Seesturm redest,
Von Gletschereis und Alpenwand,
Von hohen Burgen, düstern Domen,
Von blauem Himmel, grünem Land;
Wenn du der Ehre, Treu' und Liebe,
Des ein'gen Brudersinns gedenkst,
Und deine Red' auf Heimattriebe,
Auf's Wohl und Weh der Völker lenkst:
Dann siehst du seine Züge strahlen,
Vernimmst so edler Worte Klang,
Wie er dich oft mit seinen Liedern
Mit wundersamer Macht durchdrang;
Da hörst du Schlachtlärm, schreckenvollen,
Dazwischen Glocken und Schalmei'n,
Lawinen stürzen, Donner rollen,
Und Lerchenwirbel schallen drein.
Das ist des hohen Meisters Sitte,
Der schlicht ist, wie der Sohn der Alp:
Er spricht nur halb, wenn Andre schwatzen,
Doch fühlt er ganz, was Viele halb;
Und ist so voll der Strom ergossen,
Daß er sein Becken übertritt,
Dann kommt er herrlich hergeflossen,
Und Gold und Perlen führt er mit.
Und wenn sich nun dein Mund erschließet
Zu seiner Sänge Preis und Lob,
Da senkt er still sein Auge nieder,
Das er so flammend erst erhob;
Und wollt'st du ihm den Eichkranz reichen,
Den Deutschland seinen Meistern beut,
Er nähme nur ein Blatt der Eichen
Und legt' an's Herz es unter'm Kleid.
von Karl Egon Ebert
Karl Egon Ebert
|
|
|