Karl von Holtei (1798 bis 1880)



Alles über Einen

Da stürmt's im Walde, da rauscht's im Schnee,
Es stürzt mit wilder Hast
Durch das Dickicht, daß alles erzittert,
Daß die Tanne, die Fichte zersplittert,
Von dem starken Geweih nur erfaßt.

Das ist der Hirsch; ihn trieb der Lärm
Aus seinem Waldrevier,
Und nun saust er im Sturme vorüber,
Welch ein mächtiges, herrliches Tier!

Doch niemand war auf ihn gefaßt,
Nicht dem Hochwild galt diese Jagd;
Sollte doch von den Schroten er fallen?
Mancher läßt seinen Doppellauf knallen,
Zum Scherze, der allen behagt.

Getroffen nun von Schuß auf Schuß,
Hält er sich lange noch;
Wie aus hundert Wunden er blute,
Immer kräftig und sprühend von Mute
Sein Haupt erhebt er doch.

Er schaut sich um, die Reih' entlang, ...
Der Bergwald birgt ihn dann.
Erst allein will dem Schmerz er sich neigen,
Vor der Welt wollt' er immer sich zeigen
Wie ein Ritter, ein Held, ein Mann.

Man sucht ihn auf: ein Bild des Volks,
Das Übermacht besiegt,
Ach, so liegt er, den Treibern zum Spiele!
Schossen ihrer nur nicht gar so viele,
Sie hätten ihn doch nicht besiegt.