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Gedichte von Christian Morgenstern ( 1871-1914 )





Der Zwölf-Elf

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlägt es Mitternacht im Land.

Es lauscht der Teich mit offnem Mund.
Ganz leise heult der Schluchtenhund.

Die Drommel reckt sich auf im Rohr.
Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.

Der Schreck horcht auf in seinem Haus.
Desgleichen die Kartoffelmaus.

Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast
auf einem windgebrochnen Ast.

Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:
Das Mondschaf geht zum Hochgericht.

Die Galgenbrüder wehn im Wind.
Im fernen Dorf schreit ein Kind.

Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund
als Neuvermählte auf den Mund.

Hingegen tief im finstern Wald
ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:

Dieweil ein später Wanderstumpf
sich nicht verlief in Teich und Sumpf.

Der Rabe Ralf ruft schaurig: ,Kra!
Das End ist da! Das End ist da!'

Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand:
Und wieder schläft das ganze Land.

von Christian Morgenstern



Christian Morgenstern










Die Gedichte dieser Textsammlung wurden von uns aus antiquarischen Büchern entnommen.

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