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Gedichte von Gottlieb Konrad Pfeffel ( 1736 bis 1809 )





Ibrahim

Eh' Ferdinand mit frommer Wut
Die Mauren von sich stieß,
Floß Omars junges Heldenblut
Durch Gusmans Ritterspieß.

Aus Furcht der Rache (reich und groß
War dieser Sarazen)
Floh Gusman und blieb atemlos
Vor einem Garten stehn.

Hoch war die Mauer; doch er schwang
Sich wie ein Pfeil hinein,
Und fand in einem Bogengang
Den Herrn des Guts allein.

Er fleht um Schutz. Mit seinem Stab
Schlägt Emir Ibrahim
Voll Ernst jetzt einen Pfirsich ab
Und teilet ihn mit ihm.

"Nimm hin," sprach er, "du bist mein Gast;
Dies ist des Schutzes Pfand,
Den du von mir zu hoffen hast."
Und gab ihm seine Hand.

Doch plötzlich rief ein Mütterlein
Den edlen Greis hinaus,
Er schloß, um unentdeckt zu sein,
Den Gast ins Gartenhaus.

Drei Stunden harrt er hier voll Gram,
Ihm scheint kein Mondenlicht,
Bis sein Beschützer wieder kam,
Mit Tränen im Gesicht.

"Den du erschlugst, grausamer Christ,"
Sprach er, "der war mein Sohn.
Schön ist die Rache, schöner ist
Gehalt'ner Treue Lohn.

Fleuch! Vor der Gartentüre steht
Mein bestes Pferd. Man sucht
Dich an der See. Fleucht nach Toled!
Gott schütze deine Flucht!" -

Siehst du im Greis den halben Gott?
Wer wohltut seinem Feind,
Mein Kind, wär' er ein Hottentott,
So ist er Gottes Freund.

von Gottlieb Konrad Pfeffel



Gottlieb Konrad Pfeffel










Die Gedichte dieser Textsammlung wurden von uns aus antiquarischen Büchern entnommen.

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