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Gedichte von Anna Ritter ( 1865 bis 1921 )





Gefaltete Hände

Es hat mich heut nicht schlafen lassen -
Das alte Weh kam über mich,
Daß ich mit heimatlosen Schritten
Mich an des Kindes Bettchen schlich.
Da sank ich hin in dunkler Nacht
Und habe in die weißen Kissen
In wildem Schmerz hinein gebissen .....
Der du so elend mich gemacht,
So viele Fäden mir zerrissen,
So viele Wege mir verstellt -
Du wirst, o Herr, die Gründe wissen!
Du lenkst die weite, große Welt
Nach ewig gültigen Gesetzen,
Du wirst dies arme Frauenherz
Nicht planlos, ziellos durch den Schmerz,
Durch Elend und Verzweiflung hetzen!
Wenn ich in Liebe um den Einen
Den Himmel, Herr, und dich vergaß,
Zu viel des Glückes mich vermaß
Und nicht genug zu dir gefleht -
Ist nicht auch L i e b e ein Gebet,
Vielleicht das heiligste der Erde?
Suchst du im S t a u b e nur die Deinen,
Muß erst am Grabe ihres Glücks
Die arme Menschenseele weinen,
Auf daß sie deiner würdig werde
Und in Verklärung aufersteht?

von Anna Ritter



Anna Ritter










Die Gedichte dieser Textsammlung wurden von uns aus antiquarischen Büchern entnommen.

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