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Gedichte von Friedrich Rückert ( 1788 bis 1866 )





Lohn der Freigebigkeit

Unter'm Baume stand der Knabe,
Reichte nicht bis an den Ast,
Bettelte um eine Gabe
Von der Zweige reichen Last.

Und der Baum begann zu regen
Seinen Wipfel leis' im Wind,
Schüttelt' einen Apfelregen
Nieder dem erstaunten Kind.

Was es essen konnte, aß es,
Alles essen konnt' es nicht.
Aber schon so viel besaß es,
Daß ihm noch viel mehr gebricht.

Einen Apfel wirft zum Spiele
Es dem Geber in's Gesicht,
Freut sich, daß er dort vom Stiele
Einen reifen Bruder bricht.

Und so viel als niederfallen,
Schleudert er hinauf, und treibt
Es so lange, bis von allen
Früchten keine droben bleibt.

Was der kahle Baum nun denket?
Zürnend wieget er das Haupt:
"Weil ich dir zu viel geschenket,
Hast du alles mir geraubt."

von Friedrich Rückert



Friedrich Rückert










Die Gedichte dieser Textsammlung wurden von uns aus antiquarischen Büchern entnommen.

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