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Gedichte von Gustav Schwab ( 1792 bis 1850 )





Der Fleischer von Konstanz

Wohl wehrt sich die alte, die neue Stadt,
Den herrlichen römischen Namen sie hat,
Und römischen Mut
Und deutsches Blut
Und Christenglauben,
Den soll ihr der spanische Henker nicht rauben!

Drum kämpfen die Bürger vom Turm und am Tor
Und dringen zur hallenden Brücke hervor,
Es hört es der Rhein,
Da rauschet er drein,
Es rufet die Söhne
Der See mit der tosenden Wellen Getöne.

Wer streitet am kühnsten für Ehr' und für Heil?
Das ist der Fleischer mit hauendem Beil.
Sonst schlägt er den Stier,
Das brüllende Tier,
Heut muß er sie schlachten,
Die ihm nach der Metzig, der blutigen, trachten.

Er steht auf der Brücke zuvordererst im Schwarm,
Den Ärmel gestülpet, mit nervigem Arm,
Und jeder Streich
Schlägt einen bleich,
Da kommen die andern:
Zur Schlachtbank läßt er sie spöttlich wandern.

O weh ihr Brüder! Verlasset ihr ihn?
Es doppelt das spanische Heer sich, sie fliehn,
Sie rufen ihn mit:
Doch keinen Schritt
Weicht er von der Stelle,
Alle Feinde bekämpft der kühne Geselle.

Vorn einer und hinten da nahet ein Paar,
Die wildesten Knechte der stürmenden Schar,
Sie packen in Eil'
Des Fleischers Beil -
Es ist verloren;
Da denkt er: Es soll sie nicht frommen, die Thoren!

Zwei Arme ja hat er, die fassen die Zwei:
Und wollt ihr ein Leben, so opfr' ich euch drei!
Er hält sie umspannt,
Er drängt sie zum Rand,
Er sendet die Blicke
Hinab zu dem schäumenden Rhein von der Brücke.

Und schnell an's Geländer, eh' andere nah'n,
Drückt er sie, die Ringenden, kräftiglich an;
Mit ihnen hinein
Kopfüber zum Rhein
Mit frohem Schwunge
Sieht man ihn stürzen im tödlichen Sprunge.

Die klagenden Feinde verschlinget die Flut;
Lang' wiegt sie, lang' trägt sie den Bürger gut,
Jetzt zeigt sie den Fuß,
Den Arm, wie zum Gruß,
Die Schultern, die blanken,
Das lockige Haupt und den Nacken, den schlanken.

Da sucht ihn das fremde Geschoß, doch der Rhein
Hüllt fromm in den Mantel, den grünen, ihn ein.
Er zieht ihn hinab
In's festliche Grab,
Dort ruht er geborgen
Vor feindlicher Schmach. Bis zum ewigen Morgen.

Dort schläft ohne Traum er den süßesten Schlaf,
Er weiß nicht das Los, das die Heimat traf.
Man trügt, man raubt
Ob seinem Haupt
Freiheit und Glauben;
Die Märtyrerkrone wird keiner ihm rauben.

von Gustav Schwab



Gustav Schwab










Die Gedichte dieser Textsammlung wurden von uns aus antiquarischen Büchern entnommen.

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