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Gedichte von Gustav Schwab ( 1792 bis 1850 )





Der Gefangene

Vor dem getürmten, grauen Schloß
Steht brüllend ein gemeiner Troß:
"Ihr tapfern Brüder, stürmet an!
Es gilt dem armen gefangenen Mann!

Es gilt dem armen gefangenen Mann!
Wir helfen ihm aus Fessel und Bann!"
Keck schwingen sie sich über den Wall,
Sie bringen Tor und Wache zu Fall.

Sie dringen klirrend in den Hof,
Sie metzeln, daß er vom Blute troff,
Sie werfen den Feuerbrand in's Haus,
Sie treiben den alten Ritter aus.

Sie hau'n zusammen Herrn und Gesind,
Sie brechen in Scheun' und Keller geschwind,
Sie halten über den Fässern Schmaus
Und trinken sie wie Becher aus.

Sie legen sich über den Herrentisch
Sie schmausen Braten ab und Fisch;
Die Flamme schlägt ringsum empor;
Sie legen trunken sich auf's Ohr.

Und als der Brand das Schloß verzehrt
Und als sie Küch' und Faß geleert,
Da mit der Neige stoßen sie an:
"Es gilt dem armen gefangenen Mann!

Wo ist der arme gefangene Mann,
Daß er mit uns sich freuen kann?"
Sie kriechen aus Schutt und Staub herfür;
Sie taumeln zu der Kerkertür.

"Du armer gefangener Mann, hervor!
Wir sprengen dir dein Eisentor!"
So stießen sie die Türe ein
Und ließen hinab den Sonnenschein.

Was ist es, das sie dort erblickt?
Der arme Mann, der ist erstickt.
Er liegt zu Boden in Qualm und Rauch,
Es leckt an ihm der Flamme Hauch.

Da eilten sie, davon zu ziehn;
Sie ließen liegen und modern ihn.
Es schrie'n die satten, trunkenen Knecht':
"Wir haben den armen Mann gerächt!"

von Gustav Schwab



Gustav Schwab










Die Gedichte dieser Textsammlung wurden von uns aus antiquarischen Büchern entnommen.

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