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Gedichte von Karl Joseph Simrock ( 1802 bis 1876
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Friedrich der Siegreiche
"Friedrich, auf! Die Felder rauchen,
Volle Scheuern glüh'n im Brand,
Auf! Des Armes zu gebrauchen,
Siegreich bist du ja genannt.
Württemberg und Baden sengen,
Metz und Speyer hausen schlimm,
Eh' sie deine Burg bedrängen,
Triff sie mit der Rache Grimm."
Friedrich hört's, und machtgerüstet
Stürmt er von dem hohen Schloß;
Die schon Heidelbergs gelüstet,
Niederstreckt sie sein Geschoß.
Nieder aus dem Hinterhalte
Streckt sein Speer sie und sein Schwert:
Jetzt die ganze Kraft entfalte,
Stolzer Feind, die Stirn gekehrt!
Biet' ihm Schlacht, der so verwegen
Dich bedroht, ein schwacher Hauf',
Jetzo kannst du ihn erlegen,
Und die Pfalz steht nie mehr auf.
Kämpfend mengen sich die Scharen,
Hier der Rhein, der Neckar dort,
Doch des Kampfgewühls Gefahren
Zähmt des Pfalzgrafs herrschend Wort.
Plötzlich winkt er im Gefechte,
Und auf die beritt'nen Reihn
Rücken seine Lanzenknechte
Mit den langen Dolchen ein.
Schlüpfen unter'n Bauch der Pferde,
Stechen hin und stechen her:
Roß und Reiter stürzt zur Erde
Und erschrocken wankt das Heer.
"Flieht, Verzagte! Nicht entlaufet
Ihr der Schande oder Haft;
Oder freut's euch, so ersaufet
Immerhin in blüh'nder Kraft!
Seht, wie kühl das Wasser ladet;
Hier der Rhein, der Neckar dort!
Streckt die Waffen denn!" Begnadet
Führt er sie zum Schloßberg fort.
"Truchsess auf! Herbei, ihr Schenken!
Rüstet mit das Siegesmahl,
Liege Purpur auf den Bänken,
Reich umhangen sei der Saal.
Hörner sollen laut erschallen,
Weine fließen weiß und rot,
Fisch und Wildbret teilet allen,
Aber Eins gebreche - Brot."
Freundlich lädt er sie zum Mahle:
"Seid willkommen, tut Bescheid,
Edle Herrn, mir im Pokale,
Und im Wein ertränkt das Leid!"
Zwei Bischöfe, beide Grafen:
"Was wir lieben, klinget an!" -
"Wie wir heut im Feld uns trafen,
So besteht mich Mann für Mann.
Sitzt umher, und mög' euch munden,
Was der karge Koch uns trug!
Gern verschönt' ich euch die Stunden,
Widrig ist die Haft genug.
Mag des Sängers Mund indessen
Singen, was ihm Gott gebot.
Fehlt noch was? Ist Salz vergessen?" -
"Nichts, Herr Pfalzgraf, nichts, als Brot!" -
"Brot nur? Truchsess, Brot vergaßt ihr,
Brot ernährt, das schaffet her!" -
"Herr, den letzten Bissen aßt ihr,
Und die Pfalz hat keines mehr." -
"Backet denn und lasset mahlen!" -
"Gnäd'ger Herr, das Korn gebricht." -
"Nun so drescht, ich kann's bezahlen,
Mangeln doch die Gaben nicht." -
"Ja sie mangeln; blicket nieder,
"Scheuern glüh'n, es dampft das Feld." -
"Ackert denn und säet wieder,
Bis der Halm der Sichel fällt!" -
"Just zum Säen fehlt's am Korne,
Auch die Aussaat schlang der Brand;
Alles im vergeb'nen Zorne
Schlang der Feind im Pfälzer Land." -
"Branntet alles ihr zu Kohlen,
So geduldet euch, ihr Herrn!
Fremdes Brot herbeizuholen,
Öffnet ihr die Säckel gern.
Dann bedarf es Korn zum Mahlen,
Korn der Erde zu vertrau'n,
Das auch werdet ihr bezahlen,
Und dem Landmann Hütten bau'n.
Wenn ihr wieder hier im Lande
Ungerechte Kriege führt,
Laßt dem Bauer, pfui der Schande!
Scheu'r und Felder unberührt."
von Karl Joseph Simrock
Karl Joseph Simrock
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