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Gedichte von Ludwig Uhland ( 1787 bis 1862 )





Die Münstersage

Am Münsterturm, dem grauen,
Da sieht man, groß und klein,
Viel Namen eingehauen,
Geduldig trägt's der Stein.

Einst klomm die luft'gen Schnecken
Ein Musensohn heran,
Sah aus nach allen Ecken,
Hub dann zu meißeln an.

Von seinem Schlage knittern
Die hellen Funken auf,
Den Turm durchfährt ein Zittern
Vom Grundstein bis zum Knauf.

Da zuckt in seiner Grube
Erwin's, des Meisters, Staub,
Da hallt die Glockenstube,
Da raucht manch steinernd Laub.

Im großen Bau ein Gären,
Als wollt' er wunderbar
Aus seinem Stamm gebären,
Was unvollendet war. -

Der Name war geschrieben,
Von Wenigen gekannt;
Doch ist er stehn geblieben
Und längst mit Preis genannt.

Wer ist noch, der sich wundert,
Daß ihm der Turm erdröhnt,
Dem nun ein halb Jahrhundert
Die Welt des Schönen tönt?

von Ludwig Uhland



Ludwig Uhland










Die Gedichte dieser Textsammlung wurden von uns aus antiquarischen Büchern entnommen.

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